Friedensbrief Ausgabe Nr. 2001/02 vom 31. 12. 2001

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Friedensbrief --- Ausgabe 2001/02 --- 31.12.2001 --- ISSN 1618-7288

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Herausgeber:
Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen
(DFG-VK)
Gruppe Köln
Postfach 910304
51073 Köln

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Inhaltsverzeichnis:
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Die Kolonialmark geht - der Kolonialeuro kommt
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Kriegsherren auf griechischen Euromünzen
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Kommentar zu Vertrauensfrage um Krieg gegen Terrorismus
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Zweifaches getrenntes NEIN zu Krieg und Schröder wäre besser gewesen
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Leserbrief: Forderungen afghanischer Studenten im Exil
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an die afghanischen Politiker
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Die Kolonialmark geht - der Kolonialeuro kommt
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Ab dem 1. Januar bzw. dem 28. Januar ist die DM nicht mehr Zahlungsmittel in
Deutschland. Damit verliert sie auch ihre Bedeutung als Zahlungsmittel in
den abhängigen Gebieten auf dem Balkan.

Im UN-Protektorat Kosovo wurde die DM 1999 durch die UN-Verwaltung als
Hauptwährung eingeführt. Ab dem 1. Januar 2002 wird dann die DM durch den
Euro ersetzt.

In der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro wurde die DM bereits 1999 von
der dortigen Regierung der Teilrepublik als Währung eingeführt.
Ab dem 1. Januar 2002 ersetzt dort der Euro die DM.

In Bosnien wurde durch den Friedensvertrag von Dayton dort die Konvertible
Marka als nationale Währung eingeführt und durch ein "Currency Board" im
Verhältnis 1 zu 1 an die DM gebunden. In der Praxis besteht der dortige
Bargeldumlauf allerdings zu fast 100% aus DM Banknoten und Münzen. Auch
hier wird der Euro die DM ersetzen.

Auch in anderen osteuropäischen Staaten wie Estland gilt schon seit vielen
Jahren die DM-Währungspolitik über ein "Currency Board" oder aber die DM
läuft zumindest als Schwarzgeld um.
Nur in Russland ist der Dollar stärker verbreitet als die DM.


Weitere Informationen gibt es zum Thema unter:

www.friedensbrief.de/0102info.html


Achim Scheve

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Kriegsherren auf griechischen Euromünzen
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Ab dem 1. Januar ist der Euro das gesetzliche Zahlungsmittel in allen 12
Euroländern und in anderen Ländern. Die Eurobanknoten sind in allen
Ländern - abgesehen von eventuellen kleinen Unterschieden bei Papier und
Druck - vollkommen gleich. Die Euromünzen verfügen zwar über eine gemeinsame
Vorderseite und sind in allen Ländern gültig, sie werden jedoch von den
Nationalstaaten geprägt und verfügen jeweils über nationale Kehrseiten. 11
der 12 Euroländer und die drei Kleinstaaten(Vatikan, San Marino und Monaco)
mit dem Recht (Aufgrund alter Währungsverträge mit Eurostaaten) zur Ausgabe
eigener Euromünzen haben dabei ganz vernünftige Entscheidungen getroffen.
Auf diesen Rückseiten werden die üblichen Dinge wie lebende Monarchen, tote
Menschen, Kunstwerke, Bauwerke und nationale Symbole abgebildet. Nur bei den
griechischen Euromünzen gibt es Missgriffe gegeben. Die Münzen zu 10 Cent,
zu 20 Cent und zu 50 Cent enthalten Abbildungen von Kriegshelden. Die 10
Cent Münze zeigt mit Rigas Velestinlis-Fereos (1757-1798) einen Vorkämpfer
und Märtyrer des griechischen Unabhängigkeitskampfes gegen das
türkisch-osmanische Reich. Die Münzen zu 20 Cent zeigen mit Ioannis
Capodistris (1776-1831) einen Feldherren des griechischen
Unabhängigkeitskrieges von 1830-1831. Die Münzen zu 50 Cent zeigen mit
Elefterios Venizelos (1864-1936) einen Kriegsherren der Kriege von 1912-1920
der Balkankriege und des Krieges gegen die türkische Republik.

(Andere griechische Euromünzen zeigen ein griechische Ruderkriegsschiff aus
dem 5. Jahrhundert vor Christus, ein Segelkriegsschiff aus dem
Unabhängigkeitskrieg, einen modernen Öltanker, eine athenische
4-Drachmenmünze und Europa auf dem Stier(Zeus) reitend.)

Auch diese Münzen werden auch in Deutschland in Zukunft nicht nur gültiges
Zahlungsmittel sein, sondern spätestens nach dem ersten Sommer auch in
Deutschland umlaufen...

Weiteres findet sich unter:
www.friedensbrief.de/0102info.html


Achim Scheve

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Kommentar zu Vertrauensfrage um Krieg gegen Terrorismus
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Zweifaches getrenntes NEIN zu Krieg und Schröder wäre besser gewesen
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Anlässlich der Afghanistan-Erpressung von Kanzler Schröder, die in der
Verknüpfung der Vertrauensfrage mit dem Militäreinsatz kulminierte, trat
Frau Christa Lörcher aus der SPD-Fraktion aus, blieb jedoch Mitglied der
SPD. In einer öffentlichen Stellungnahme vom 11. 12. 2001 für die örtliche
SPD-Zeitung Ventil in Schonach begründete Christa Lörcher(CL>)
ihren Schritt. Gerd Brogi (GB>) aus der Redaktion des Friedensbriefes
kommentiert hier ihre Erklärung.

CL>Liebe Bürgerinnen und Bürger!

CL>Da die Abstimmungen miteinander verbunden waren, war eine persönliche
CL>Abwägung beider Entscheidungen nötig. Aus Gewissensgründen lehne ich den
CL>Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte grundsätzlich ab; diese
CL>Entscheidung ließ mir keine andere Wahl als insgesamt mit NEIN zu
CL>stimmen.

CL>Bei einer getrennten Abstimmung hätte ich bei der Vertrauensfrage mit JA
CL>gestimmt und dem Bundeskanzler und der Bundesregierung mein Vertrauen
CL>ausgesprochen, bei der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an
CL>der gemeinsamen Militäroperation jedoch mit NEIN gestimmt.


GB>Ihre nachträglichen Erklärungen zu Ihrem Abstimmungsverhalten zeigen,
GB>dass selbst Sie sich politisch den Kurs Ihrer Parteiführung unterwerfen.
GB>Was Sie von den Zustimmern unterscheidet, ist die Illusion der sauberen
GB>Gewissens. Auch bei einer getrennten Abstimmung wäre ein zweifaches NEIN
GB>logisch gewesen: Wie hätten Sie einem Regierungschef das Vertrauen
GB>aussprechen können, wenn dieser in der für Sie zentralen Frage von Krieg
GB>und Frieden nicht das Vertrauen verdient?


CL>Meine Arbeit im Parlament und im Wahlkreis geht weiter: ich bin in der
CL>SPD,"fraktionslos, aber nicht rechtlos" - wie Blickpunkt Bundestag es in
CL>der Ausgabe 11/2001 beschrieben hat.


GB>Warum haben Sie sich aus der Fraktion drängen lassen und es nicht auf
GB>einen Ausschluss ankommen zu lassen? Ihre Absage an die Kriegspolitik
GB>teilt gewiß ein Vielfaches der Wähler, die Sie 1998 zum MdB gewählt
GB>haben. Sie hätten alles Recht und auch die Gewissenspflicht gehabt,
GB> in der Fraktion zu bleiben - oder aus der SPD auszutreten.
GB>Karl Liebknecht war 1914 der einzige SPD-Abgeordnete,
GB>der gegen den Krieg stimmte. Erst 1916 wurde er mit dann
GB>schon ca 20 weiteren Kriegsgegnern aus der Fraktion ausgeschlossen; diese
GB>schlossen sich dann zur sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft
GB>zusammen, woraus die USPD hervorging -welche wiederum maßgeblich
GB>die Mehrheits-SPD positiv mitprägte.



CL>Der Bundestagspräsident hat inzwischen meine Mitgliedschaft im bisherigen
CL>Ausschuß Familie, Senioren, Frauen und Jugend bestätigt. Im Plenum habe
CL>ich Rederecht zu allen Themen, werde dies aber sicher nur wahrnehmen in
CL>den Bereichen, in denen ich bisher intensiv tätig war - Altenpflege,
CL>Pflegeberufe, Migration/Integration, Demographie....

GB>Schröder wirds gerne vernehmen: Bei Debatten um die Kriegspolitik wollen
GB>Sie schön den Mund halten und den Kriegsgott einen guten Mann sein
GB>lassen, während Sie sich Ihren ureigenen Tätigkeitsfeldern widmen und
GB>dort kriegsbedingte Mehrarbeit verrichten: Kriegs-Pflegefälle und
GB>Migrationsdruck werden steigen, der Integrationswille in einer
GB>kriegsgeprägten Gesellschaft sinkt und gefallene junge Soldaten
GB>verschärfen das Demographieproblem!
GB>Der eigentliche Ernstfall ist jedoch weniger der Krieg, sondern die
GB>Abschaffung der Demokratie: Nicht mehr die Abgeordneten kontrollieren die
GB>Exekutive und und stutzen deren Machtausübung, sondern die SPD-Spitze
GB>verkehrt dieses parlamentarische Demokratieprinzip in sein Gegenteil: der
GB>Abgeordnete selbst wird in seinen Rechten beschnitten und bei
GB>Zuwiderhandeln "gestürzt". Die Ausschaltung des Parlaments bei der
GB>Beschaffungsentscheidung für das Transportflugzeug zeigt nur einmal mehr,
GB>wie sehr die parlamentarische Demokratie zerrüttet ist. Aber auch die
GB>innerparteiliche Demokratie zerschlägt die SPD-Spitze - deren Parteitage
GB>geraten zunehmend zu Reichsparteitagen. Schlimm ist, dass auch Fraktion
GB>und Partei der Grünen sich durch die SPD-Spitze vergewaltigen ließen.


GB>Beide Prinzipien waren für unsere Verfassungsordnung konstitutiv. Dass
GB>ausgerechnet aus der SPD heraus die größten Anschläge auf unsere
GB>Verfassung erfolgen- von Herrn Schily ganz schweigen - auch das hätten
GB>Sie den Wahlbürgern erklären müssen.

GB>Mit (sc)h(m)erzlichen Grüßen

GB>Gerd Brogi

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Leserbrief: Forderungen afghanischer Studenten im Exil
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an die afghanischen Politiker
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Sehr geehrte Damen und Herren,

die Sie die Zukunft Afghanistans maßgeblich mit gestalten dürfen. Die
Geschichte bietet uns Afghanen nach großem Leid und viel Blutvergießen
endlich wieder einmal die Möglichkeit unserem Volk Frieden und dem Land
Stabilität zu bringen. Diesmal jedoch sollten wir unsere einzige Chance
nutzen und vernünftige Entscheidungen zum Wohle des Volkes treffen, anstatt
persönliche Interessen, wie Macht und Geld, sowie Stammeszugehörigkeiten,
Konfessionen, etc., in den Vordergrund zu stellen. Die momentane Situation
Afghanistans ist sehr sensibel. Wir können den Grundstein für eine
friedvolle und nicht vom Gewalt bestimmende Zukunft legen, aber auch das
Land für weitere Jahrzehnte in Elend und Hunger treiben. Wir befinden uns an
einem Scheideweg und das Volk schreit nach Frieden und Nahrung. Ihre
Verantwortung ist immens und gerade deshalb ist es unerlässlich, dass Sie
hier und heute zu einer Einigung kommen. Dabei ist es unbedeutend wie viele
Kompromisse sie schließen müssen, wobei wir keine faulen Kompromisse
akzeptieren können.
Nach dem Motto, Lehmsteine ins Wasser legen, um den Fluss zu überqueren!
Schauen Sie nicht mehr nach Loyalitäten und Äußerlichkeiten Ihrer
Landsmänner. Hören Sie einander zu, denn es wird Zeit, dass nur noch Inhalte
zählen und nicht Ethnien und Lokalpatriotismus. Wir hoffen, dass Sie aus den
vergangenen 23 Jahren gelernt haben, dass jeder Versuch auch nur eine Ethnie
Afghanistans zu unterdrücken oder gar zu vernichten, für das ganze Land
verheerende Auswirkungen hat und alle anderen mitbluten. Zusammen sind wir
ein Körper ( Afghanistan). Die Völker Afghanistan bilden die Gliedmaße.
Eines unserer vielen Völker auszuschließen, kommt einer Verstümmelung eines
Gliedmaßes gleich und wir sind gelähmt und sterben aus. So steht nun unser
Volk am Rande des Abgrunds.
Wir sind die Zukunft Afghanistan und wir sind nicht bereit uns unserer
Zukunft berauben zu lassen! Wir haben es satt, dass die ganze Welt nur Hohn
und Spott für uns übrig hat: "die Afghanen, deren Loyalität (Seitenwechsel)
mietbar ist", "die Afghanen, die nur kämpfen können und nicht denken", "die
Afghanen, die nicht einmal fähig sind, sich zum Wohle ihres Volkes zu
einigen und Ihr Land lieber verbluten sehen als auf Ihre persönlichen
Machtinteressen zu verzichten". Wir wollen endlich wieder mit einer starken
Stimme sprechen.


Deshalb fordern wir:

1. Vor aller Regierungsbildung und Machverteilung steht die humanitäre Hilfe
und das Leid des afghanischen Volkes.

2. Keine langwierigen Verhandlungen der UNO mit bewaffneten Gruppierungen.
Die UNO soll eindeutige Positionen beziehen und klare Verhältnisse schaffen.

3. Ein Uno-Protektorat für einen angemessenen Zeitraum bis der Frieden sich
stabilisiert hat.

4. Entwaffnung aller Gruppierungen

5. Entmilitarisierung Kabuls

6. Keine einzige bewaffnete Gruppierung repräsentiert eine Ethnie, sondern
ausschließlich Ihr Eigeninteresse. Wir wollen keine weitere
Instrumentalisierung der verschiedenen Ethnien für die Machtkriege
irgendwelcher Kommandeure.

7. Es dürfen keine weiteren Waffen nach Afghanistan geliefert werden.

8. Während des Protektorats soll eine Regierung gebildet werden, die das
afghanische Volk mit seinen verschiedenen Ethnien gleichberechtigt
repräsentiert.

9. Die Ausarbeitung einer demokratischen Verfassung, die der afghanischen
Lebensart angepasst ist.

10. Die Verabschiedung dieser Verfassung von einer Loya Jirga, die das Volk
vertritt.

11. Finanzielle Mittel zum Wiederaufbau dürfen weder über die Regierungen
von Nachbarstaaten laufen, noch an Personen und Gruppierungen geknüpft
werden, sondern ausschließlich an konkrete, kontrollierte Projekte.

12. Die ehemaligen, führenden Kriegstreiber von 1979 bis heute dürfen keine
weiteren Karrieren in der zukünftigen Politik Afghanistans machen, denn das
afghanische Volk wird ihre ehemaligen Peiniger nicht in hohen Positionen
dulden können.

13. Die Machthaber und die vielen sogenannten Repräsentanten des
afghanischen Volkes haben es in den letzten 23 Jahren versäumt Afghanistan
Frieden und Sicherheit zu bringen. Daher haben sie ihre Glaubwürdigkeit und
unser Vertrauen verloren. Somit auch die Legitimation weiterhin im Namen
Afghanistans zu agieren. Wir möchten nicht unsere Zukunft wieder in ihre
Hände legen.

14. Auch die breite Masse des afghanischen Volkes (unter 40 Jahren) müssen
an solchen Konferenzen beteiligt sein, denn Sie sind die Gegenwart und vor
allem die Zukunft des Landes, die sie hier zu gestalten versuchen.

Bitte entscheidet Euch so, dass die zukünftige Generationen Eure
Entscheidungen nicht als Grund oder gar als Ursache für Konflikte sehen !!!


Ghesal und Saghar Chopan, Wagma Mohmand, Zangah Shinwari, Said Abdul Ghafar
Dadshani, Issa Rezaie, Nasim Saber


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